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Soziale Landwirtschaft: Gesunder Mehrwert inklusive

Soziale Landwirtschaft begreift landwirtschaftliche Betriebe nicht nur als Produktionsstätten, sondern auch als Lern- und Begegnungsorte, die unterschiedlichsten Menschen wertvolle Impulse für ihre persönliche Entwicklung geben können. Im unmittelbaren Umgang wird schnell deutlich, dass Pflanzen und Tiere unsere Lebensgrundlage bilden – aus dieser Erfahrung erwachsen Verantwortungsgefühl und Wertschätzung. Insbesondere Menschen mit Behinderungen oder aus sozial schwierigen Verhältnissen erleben die Arbeit in der Natur und die Fürsorge für Tiere oft als stabilisierend. Naturpädagogische Angebote sensibilisieren bereits Kinder und Jugendliche für Fragen der nachhaltigen Entwicklung, Saisongärten versorgen auch Stadtbewohner mit frischem, selbst angebautem Bio-Gemüse.

Das gesundheitsfördernde Potenzial der Sozialen Landwirtschaft untersuchte Lene Frohnert in ihrer Masterarbeit am Beispiel des Hofguts Oberfeld in Darmstadt. Sie studierte Public Health Nutrition in Fulda und befragte im Rahmen ihrer Arbeit „Gesundheitsförderung und Prävention durch Soziale Landwirtschaft“ sechs Menschen aus dem Umfeld des Hofguts. Die ehemalige Staatsdomäne im Osten Darmstadts konnte 2006 mit Unterstützung der Software AG – Stiftung (SAGST) in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht werden. Hier betreibt seitdem eine Bürger-Aktiengesellschaft, zu deren Aktionären die Stiftung gehört, biologisch-dynamische Landwirtschaft mit Acker- und Gemüsebau sowie Milchviehhaltung. Durch dieses gemeinschaftliche Engagement konnte der letzte verbliebene stadtnahe Hofbetrieb nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut werden: Bio-dynamische Landwirtschaft, Schutz und Pflege der Natur sowie Naherholung, Behindertenarbeit und Sozialtherapie kommen hier auf fruchtbare Weise zusammen. Saisongärten, ein Hofladen mit Café sowie kulturelle Veranstaltungen und landwirtschaftspädagogische Bildungsprogramme am Lernort Bauernhof ergänzen das Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die für die Masterarbeit Befragten erleben das Hofgut als sozialen Begegnungsraum, in dem sie individuellen Stress abbauen können und der ein ökologisch nachhaltiges Ernährungs- und Konsumverhalten vermittelt. „Anhand der durchgeführten Interviews konnte exemplarisch gezeigt werden, dass Soziale (Urbane) Landwirtschaft, sowie das Hofgut Oberfeld, zur Gesundheitsförderung und Prävention beitragen kann und eine Integration solcher Projekte in die Stadt- und Raumplanung von großem gesundheitlichem Wert erscheint“, schreibt Lene Frohnert in einem Beitrag im aktuellen „Rundbrief Soziale Landwirtschaft“. „Durch die streng ökologische Landwirtschaft wird einerseits der Erhalt von Biodiversität gefördert, gleichzeitig dient das Oberfeld der Stadt als Frischluftschneise. In seiner Funktion als Kulturgut hat das Hofgut [...] außerdem sozialintegrative Relevanz und fungiert als sozial bedeutsamer Begegnungsort.“