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Weniger Bildschirm, mehr Vorstellungskraft: Neue Studie zu Auswirkungen von Mediennutzung

Stellen Sie sich eine Blumenwiese an einem sonnigen Tag vor: Können Sie das Vogelzwitschern hören, den Duft der Kräuter riechen und die bunten Farbtupfer im grünen Rasen sehen? Möglich ist dies dank Ihrer Imagination.

Pädagogen der Universität Regensburg haben untersucht, wie häuslicher Bildschirmkonsum die Entwicklung dieser Fähigkeit bei Kindern beeinflusst. Das Ergebnis der von der Software AG – Stiftung (SAGST) geförderten Studie: Wenn Kinder viel Zeit vor Fernseher, Tablet oder Smartphone verbringen, verlangsamt dies ihre Möglichkeiten, Bilder vor dem geistigen Auge zu sehen.

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen stellt das Vorstellungsvermögen einen wichtigen Baustein für kognitive Funktionen wie Denken, Problemlösen, Sprache und Fantasie dar. Es basiert offenbar wesentlich auf tatsächlichen, sinnlichen Erlebnissen. Bildschirme hingegen vermitteln fast ausschließlich visuelle und auditive Erfahrungen. Dies trifft besonders dann zu, wenn wir sie nutzen, um Bilder oder Filme zu konsumieren, denn die hier vermittelten Reize und Eindrücke werden dem Zuschauer bereits „vollständig“ präsentiert: Er muss sie nicht eigenständig erschaffen oder ergänzen, wie dies beim Hören oder Lesen erforderlich ist.

„Je weniger Übung Kinder haben, eigene innere Bilder zu erzeugen, desto schwerer fällt es ihnen, ihre Vorstellungskraft zu entwickeln“, fasst Elke Rahmann zusammen. Interessant sei, so die Projektverantwortliche bei der SAGST, dass dies auch für vermeintlich aktive Medien wie Smartphone, Tablet oder PC gilt. „Dieses zentrale Studienergebnis“, hebt sie hervor, „deckt sich mit Beobachtungen etwa im Bereich der Waldorfpädagogik, die eine umfassende Sinnesentwicklung als entscheidende Grundlage für ein gesundes Aufwachsen betrachtet.“

Auch die für die Studie verantwortlichen Wissenschaftler, Dr. Sebastian Suggate und Dr. Philipp Martzog, raten daher zu einer besonnenen Nutzung digitaler Medien und mehr kompensatorischer Aktivität. „Generell“, machen die Pädagogen deutlich, „gilt jedoch, dass Bildschirmmedien gesprochene Sprache oder Vorlesen nicht ersetzen können. Und darüber hinaus brauchen Kinder auch ausreichend Gelegenheit, sich in der dreidimensionalen Welt kreativ zu betätigen sowie vielfältige reale Erfahrungen mit allen Sinnen zu machen.“

Die vollständigen Ergebnisse der Studie finden Interessierte in der Zeitschrift Developmental Science (Suggate, S., und Martzog, P.: Screen-Time Influences Children’s Mental Imagery Performance).