Die von uns geförderten Projekte sind unsere Fenster in die Welt.

   

Was wir fördern

Schwerpunkte

Durch unseren intensiven Kontakt „ins Feld“ – so der Stifter Dr. h. c. Peter Schnell – können wir erfahren, was es „draußen“ an weiteren Bedarfen, Defiziten und übergeordneten Entwicklungsnotwendigkeiten gibt, die nicht in Form von Anträgen an uns herangetragen werden.

Aus der Projektarbeit heraus haben wir deshalb bereits zu den Anfangszeiten der Stiftung eigene Willensimpulse entwickelt, die sich noch heute im Engagement der Software AG – Stiftung für bestimmte Schlüsselorte bzw. Schwerpunktthemen ausdrücken.

Sie strategisch zu förderbereichsübergreifenden Themenclustern auszubauen, ist unser Ziel.

Anthroposophische Medizin

Auf die Individualität des Patienten eingehen

Die Wege zu Heilung und Gesundheit sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Jeder Mensch hat seine eigene Gesundheit – und seine eigene Krankheit. So geht die Anthroposophische Medizin davon aus, dass erst das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist das Individuum ausmacht. Deshalb ist der kranke Mensch auch viel mehr als die Summe seiner Krankheitssymptome.

Dabei ist die Anthroposophische Medizin keine „Alternativmedizin“, sie will die konventionelle Medizin nicht ersetzen – sie soll vielmehr ganz bewusst erweitert werden. So können in der Diagnostik und Therapie alle Bestandteile der Schulmedizin eingesetzt werden. Dementsprechend haben Anthroposophische Ärzte/innen ein „normales“ Medizinstudium sowie eine konventionelle Facharztausbildung durchlaufen. Erweiternd bezieht die Anthroposophische Medizin geisteswissenschaftliche Erkenntnisse mit ein, die auf Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, und die Ärztin Ita Wegman zurückgehen.

Grundsätzlich geht die Anthroposophische Medizin davon aus, dass Krankheiten keine zufällig auftretenden Fehlfunktionen sind. Vielmehr werden Krankheiten als Prozesse verstanden, die als körperliche oder seelische Störung oder Veränderung auftreten, wenn die Wechselbeziehungen zwischen Körper, Geist und Seele eines Patienten nicht mehr harmonisch ineinander greifen. Krankheiten können deswegen nie pauschal beurteilt oder therapiert werden.

(Quelle: Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland)


Willensimpuls und Anfänge

Aus der Motivation heraus, die Anthroposophische Medizin als Ergänzung zur konventionellen Schul-medizin einem möglichst breiten Patientenkreis zugänglich zu machen, haben wir vor zehn Jahren begonnen, die Akademisierung dieser Therapierichtung zu fördern.

Auch wenn es vonseiten der Patientinnen und Patienten damals schon den Wunsch nach komplementär-medizinischen Ansätzen gab, fanden sich zunächst zu wenig Ärztinnen und Ärzte, die auf diesen Bedarf antworten konnten. Zudem war die Komplementärmedizin als Erfahrungsheilkunde lange Zeit nicht Bestandteil der universitären Forschung, was es schwierig machte, Therapien aus der Anthroposophischen Medizin im Gesundheitssystem oder beispielsweise als Kassenleistungen zu etablieren.

Vor diesem Hintergrund ging es zu Beginn der Förderung im Jahr 2008 zunächst darum, die Anthropo-sophische Medizin auf Augenhöhe und im Austausch zur konventionellen Schulmedizin diskursfähig zu machen. Die Basis für diese wissenschaftliche Anerkennung und Repräsentanz an den Universitäten sowie zentrale Grundlage für die universitäre Forschung legte damals die Qualifizierung von Wissenschaftlern und akademischen Lehrern durch Promotionen und Habilitationen.


Meilensteine und Fördertätigkeit

Seit 2008 haben wir die Habilitationen von elf Forscherpersönlichkeiten mitermöglicht. Durch ihre Förderung konnten anthroposophisch-medizinische Lehrstühle und Professuren an den Standorten Witten/Herdecke, Berlin und Bern eingerichtet werden.

Der universitäre Bereich erhält darüber hinaus durch die Förderung von Forschungsinstituten in Freiburg (Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie; kurz: IFAEMM), Berlin (Forschungsinstitut Havelhöhe; kurz: FIH) und an der Alanus Hochschule (Forschungsinstitut für Künstlerische Therapien / Research Institute for Creative Arts Therapies; kurz: RIArT) Unterstützung. Die klinische Forschung wird durch einen Lehrstuhl (Kinder- unf Jugendpsychiatrie) sowie zwei klinische Professuren (Neuromedizin sowie Kinder- und Jugendmedizin) am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke abgedeckt.

Die Ausbildung anthroposophischer Ärzte fördert die Stiftung in Witten/Herdecke (Integriertes Begleit-studium Anthroposophische Medizin; kurz: IBAM), postgraduale berufsbegleitende Weiterbildungen ebenfalls in Witten sowie am Krankenhaus Havelhöhe in Berlin und an der Eugen-Kolisko-Akademie in Filderstadt. Unter anderem über das Albertus-Magnus-Stipendium erhalten auch Ärzte und Studierende mit einem Interesse für Anthroposophische Medizin in ihrer Ausbildung Unterstützung. Hinzu kommen viele mittlere und kleinere Förderungen von Instituten, An-Instituten, Ambulanzen, Forschungsvorhaben und weiteren Projekten.

Eine unserer großen Herausforderungen bleibt es, die Finanzierung der Stiftungslehrstühle und Professuren nachhaltig zu sichern: Nur in Einzelfällen gelingt eine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand bzw. die Universitäten selbst. Dies schränkt uns als Stiftung bei weiteren Förderprojekten ein, weil durch die Dauerfinanzierung Mittel gebunden werden.

Dorfgemeinschaft Juchowo in Polen

Heilsamer Impuls für die gesamte Region

Im Nordwesten Polens, etwa 90 Kilometer von der Ostseeküste entfernt, existiert seit 2001 das Dorfprojekt Juchowo der Stanisław Karłowski-Stiftung. Mit viel Pioniergeist und fachlichem Können wurde hier auf rund 1.900 Hektar ein Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut, dem es um mehr geht als um biologisch-dynamischen Landbau. Neben der Belebung und Gesundung der Erde spielt auf Juchowo Farm auch das soziale Miteinander eine zentrale Rolle. Auf dem Hof finden deshalb nicht nur vielfältige kulturelle und pädagogische Veranstaltungen statt, er ist auch zu einem wichtigen Ort für die Sozialtherapie in Polen geworden.

(Vergleiche dazu: http://www.juchowofarm.org/de)


Willensimpuls und Anfänge

„Manchmal präsentiert uns das Schicksal eine Aufgabe, um die man nicht herumkommt.“ Mit diesen Worten hat Vorstandsmitglied Achim Grenz die Anfänge der langjährigen Förderpartnerschaft einmal beschrieben. Denn die größte Herausforderung im Projekt bestand zunächst darin, die seit über zehn Jahren mehr oder weniger brachliegenden Ländereien wieder nutzbar zu machen. Hier musste „nicht bei null, sondern förmlich bei minus null“ angefangen werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir die gemeinnützige Stanisław Karłowski-Stiftung zusammen mit anderen Förderern dabei unterstützt, Boden, Gebäude und Maschinen zu erwerben, um die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise langfristig zu gewährleisten und das Eigentum auf Dauer der Spekulation zu entziehen.

Auch in anderen Bereichen haben wir finanziell und beratend bei der Aufbauarbeit geholfen sowie Strukturen für die heutige pädagogische und sozialtherapeutische Arbeit geschaffen.


Meilensteine und Fördertätigkeit

Inzwischen hat sich Juchowo zu einem lebendigen Hofkomplex mit zahlreichen Forschungs- und Lehrangeboten entwickelt, der rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter viele in sozial-therapeutischer Begleitung, eine Lebensgrundlage bietet. Darüber hinaus wurde das Gut 2011 als ein Muster­betrieb anerkannt, der mit seiner Agrarpraxis dazu beitragen kann, der fort­schreitenden Überdüngung der Ostsee entgegenzuwirken. Im von der EU mitfinanzierten BERAS-­Netzwerk der Ostsee-­Anrainer-Staaten erfolgt seitdem von Juchowo aus ein wichtiger Erfahrungsinput.

Unser Förderengagement in Juchowo konzentriert sich damals wie heute ausschließlich auf die gemeinnützigen Aufgabenfelder, die in Juchowo bearbeitet werden. Dazu zählen neben Forschung, Naturschutz und Ausbildung insbesondere auch Pädagogik und die Sozialtherapie. Auf diesen Feldern konnten im Laufe der Zeit viele Meilensteine gemeinsam erreicht werden. Sie erstrecken sich von Forschungserfolgen im Bereich der Rinderzucht über die Etablierung von naturpädagogischen Angeboten für Kinder und Jugendliche aus Polen und Deutschland bis hin zur Einrichtung einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung als „Krönung der bisherigen Bemühungen“. Hier werden ab Ende 2018 50 Menschen mit Hilfebedarf sowie 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Leitung, Betreuung und Administration zusammen arbeiten und gesunde Produkte für die Region fertigen. Im Mittelpunkt des Projekts, das als „nachahmenswertes Beispiel“ bei einem landesweiten Wettbewerb in Polen ausgezeichnet wurde, soll aber die individuelle und persönliche Entwicklung von Menschen stehen, die über gut gestaltete Lebens- und Arbeitsbedingungen möglich wird.

Alanus Hochschule in Alfter near Bonn

Den ganzen Menschen bilden

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft verfolgt eine ganzheitliche Bildungsidee: Neben der fundierten fachlichen Ausbildung wird großer Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden gelegt. Gleichzeitig wird das Verständnis jeder und jedes Einzelnen für sein Wirken in der Gesellschaft geschult und geschärft. Diese Idee steht im Zentrum der Bachelor-, Diplom- und Masterstudiengänge, des Promotionsstudiums, der Forschung, der künstlerischen Entwicklungsvorhaben sowie der Entwicklung der gesamten Hochschule.

Als staatlich anerkannte Kunsthochschule mit zwei Standorten in Alfter und einem Studienzentrum in Mannheim bietet die Alanus Hochschule die Fachrichtungen Bildende und Darstellende Kunst, Architektur, Künstlerische Therapien, Pädagogik, Wirtschaft und Philosophie an, wobei ein interdisziplinärer Ansatz gelebt wird.

Das Bildungskonzept der Alanus Hochschule nimmt den ganzen Menschen in den Fokus und beruft sich auf die humanistischen Ideale von Schiller und Humboldt und greift gleichzeitig die Idee der Anthroposophie Rudolf Steiners auf, den „ganzen Menschen zu bilden“.

(Quelle: Alanus Hochschule)


Willensimpuls und Anfänge

Die strategische Partnerschaft zwischen Stiftung und Hochschule begann bereits im Jahr 2002, als die Hochschule – zu der Zeit  noch eine freie Kunststudienstätte mit eher lokaler und regionaler Bedeutung – mit einem Förderantrag auf die SAGST zukam.

Wir haben damals wie heute in Alfter einen Ort gesehen, an dem spirituelle Gesichtspunkte, wie sie die anthroposophische Geisteswissenschaft mit sich bringt, im kritischen wissenschaftlichen Dialog besprechbar werden. Wir hatten die Vision, von dort aus ein bildungspolitisches Signal zu setzen in Bezug auf die Anthroposophie und haben uns eine Hochschule erträumt, die Fragestellungen der Reform- und Waldorfpädagogik, der anthroposophischen Heilpädagogik sowie der Kunsttherapie auf Augenhöhe mit den aktuellen pädagogischen Wissenschaften diskutiert.


Meilensteine und Fördertätigkeit

Auf dem Weg zu dieser Vision musste zunächst der institutionelle Rahmen geschaffen werden, der erst in einem zweiten Schritt mit den entsprechenden Inhalten gefüllt werden konnte. Wichtigste Voraussetzungen dabei waren neben der staatlichen Anerkennung in 2002:

  • 2004: Gründung der Alanus Stiftung

  • 2005 bzw. 2006: Gründung der Fachbereiche Wirtschaft und Bildungswissenschaft

  • 2007: Staatsexamen für das Lehramt Kunst

  • 2009: Eröffnung des neuen Campus II

  • 2010: Institutionelle Akkreditierung und Promotionsrecht für den Fachbereich Bildungswissenschaft

  • 2014: Eröffnung des Studienzentrums in Mannheim unter dem Namen „Alanus Hochschule – Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität“

  • 2017: Verzehn- bzw. Verfünfzehnfachung der Studierenden- und Mitarbeiterzahlen von 150 auf 1.500 bzw. von 14 auf 230 (seit 2002)

Meilensteine wie diese, aber auch das Wachstum der angebotenen Studiengänge sowie die steigende Zahl an Studierenden und Mitarbeitenden machen deutlich: Dieser Prozess war und ist nicht nur schnell und dynamisch, er hat Hochschule und Förderer immer wieder auch vor Herausforderungen gestellt. Beispielsweise mussten Strukturen aus der Pionierphase angepasst werden, um mit der übrigen Entwicklung Schritt halten zu können.  

Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Förderpartnerschaft mit uns als Stiftung im Laufe der Zeit weiterentwickelt. In enger Absprache mit der Hochschulleitung haben wir den Förderfokus geschärft und noch stärker darauf gerichtet, was die Stiftung satzungsgemäß sowie aus ihrem Willensimpuls – in Alfter und darüber hinaus – ermöglichen möchte.

Dazu zählt neben der Etablierung von kunsttherapeutischen sowie heil- und waldorfpädagogischen Konzepten in Wissenschaft und Gesellschaft vor allem auch die nachhaltige Bestandssicherung von heil- und waldorfpädagogischen Einrichtungen. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei neben einer entsprechenden Forschungsförderung der Aus- und Weiterbildung von Erziehern und Lehrern sowie der Weiterentwicklung der künstlerischen Therapien als Heilmittel der Anthroposophischen Medizin zu, die wir einem breiten Publikum zugänglich machen möchten.

Diese Fokussierung im Sinne der Stiftungssatzung hat zu einem neuen Fördermodell geführt, das auch mit schmerzhaften Entscheidungen und Einschnitten verbunden war. Nicht alle Förderungen aus den Hochschulanfängen konnten weitergeführt werden und nicht für alle Bereiche haben sich schnell neue Unterstützer und Sponsoren finden lassen. Gleichwohl war und ist die Alanus Hochschule ein Schlüsselort für die SAGST, weil dort nicht nur wichtige Anliegen der Stiftung gemeinsam ins Leben gebracht werden, sondern weil Alfter auch ein wichtiges Lernfeld für unsere Stiftungsarbeit darstellt.