Bewegung im Alter: Gesund altern im Quartier

Vor etwa hundert Jahren wurden die Menschen im Schnitt gerade einmal dreißig Jahre alt. Heute erleben immer mehr Frauen und Männer sogar ihren hundertsten Geburtstag. Wie erstrebenswert es ist, ein so hohes Lebensalter zu erreichen, hängt wesentlich davon ab, wie wir altern. Die Zeit zwischen dem 80. und dem 100. Lebensjahr bettlägerig, dement und allein zu verbringen, wünscht sich niemand. Entscheidend für ein erfülltes und selbstbestimmtes Lebensende sind aber nicht nur eine stabile Gesundheit, sondern für viele SeniorInnen auch die vertraute Umgebung und soziale Kontakte.

Diese finden immer seltener innerhalb der Familie, sondern stattdessen mit Menschen aus der Nachbarschaft statt, da Eltern und Kinder heutzutage häufig in großer Entfernung zueinander wohnen. Zivilgesellschaftliches Engagement, wie es vom Nachbarschaftsheim Darmstadt e. V. seit über 70 Jahren ausgeht, gewinnt vor diesem Hintergrund verstärkt an Bedeutung. Insgesamt 60 Ehrenamtliche sowie 13 hauptamtliche MitarbeiteInnen sind hier für die BewohnerInnen im Stadtteil Bessungen tätig. Finanziell gefördert wird ihre Arbeit, zu der u. a. Kinderbetreuung, Kulturveranstaltungen sowie auch Seniorensportkurse gehören, durch die Stadt Darmstadt.

2019 – im Rahmen des Projekts „Gesund altern im Quartier“ – haben auch der Paritätische Wohlfahrtsverband und die SAGST das Nachbarschaftsheim unterstützt. Es basiert auf einem Patenschafts-Modell, das ehrenamtlich Engagierte und ältere Menschen aus Bessungen zusammenbringt. Über diese Mini-Netzwerke im Stadtteil gelingt es, vor allem alleinlebende SeniorInnen aus der Isolation zu locken und für die Bewegungsangebote des Nachbarschaftsheims zu gewinnen.

„Zumindest war das vor Corona so“, sagt Geschäftsleiterin Sandra Freitag. „Aktuell ist es wieder deutlich schwerer geworden, an diese Zielgruppe heranzukommen, und auch ihre Mobilisierung gestaltet sich alles andere als einfach.“ Umso wichtiger sei es, die alten Menschen in dieser besonderen Situation nicht im Stich zu lassen und wenigstens im telefonischen Austausch zu bleiben oder in regelmäßigen Abständen kurz vorbeizuschauen. „Natürlich mit dem gebotenen Abstand“, fügt Freitag hinzu. „Unsere Paten haben kreative Wege gefunden und z. B. über das offene Fenster kommuniziert – so wie man das eben macht unter Nachbarn.“