Die Natur als Lebensgrundlage 
zukünftiger Generationen langfristig 
erhalten.

Die Natur als Lebensgrundlage zukünftiger Generationen langfristig erhalten.

Erziehung und Bildung sind ohne 
zwischenmenschliche Begegnung 
nicht denkbar.

Erziehung und Bildung sind ohne zwischenmenschliche Begegnung nicht denkbar.

Kinder und Jugendliche in ihrer 
Individualität und in ihren 
Entwicklungsmöglichkeiten 
bestärken.

Kinder und Jugendliche in ihrer Individualität und in ihren Entwicklungsmöglichkeiten bestärken.

Menschliche Begegnung ins 
Zentrum rücken.

Menschliche Begegnung ins Zentrum rücken.

Den Menschen in all seinen 
Dimensionen betrachten.

Den Menschen in all seinen Dimensionen betrachten.

   

Wertvolles Gruppenerlebnis: Eurythmie im Kindergarten

Iris Fischer arbeitet als Eurythmistin in sieben Kindergartengruppen im Umkreis von Mainz, als Heileurythmistin an der Mainzer Waldorfschule und zusätzlich in ihrer eigenen Praxis. Einmal wöchentlich besucht sie den Waldorfkindergarten Saulheim. „Einige Kinder freuen sich ausdrücklich auf die Eurythmie“, berichtet die Erzieherin Viola Sattelkau. „Die meisten machen allerdings einfach mit. In diesem Alter läuft ja viel über die Nachahmung. Einzelne Kinder tun sich hingegen auch schwer, äußern sogar selbst: Das ist mir zu anstrengend! Wir sehen das als gutes Zeichen, denn das bedeutet ja, dass die Kinder wahrnehmen, dass es Kraft kostet, sich intensiv auf die Eurythmie einzulassen.“ In diesen Fällen findet das Kollegium individuelle Lösungen, etwa eine verkürzte Teilnahme.

Eintauchen in Märchen und Geschichten
„Das kleine Kind bewegt mit, was ich bewege – ob das nun innerlich ist oder äußerlich sichtbar. Es ahmt alles direkt nach“, erklärt Iris Fischer. „Deshalb ist es wichtig, gleich am Anfang eine vertrauens- und fantasievolle Stimmung zu schaffen.“ Dabei helfen ihr die beiden Zwerge Puck und Puckelinchen, mit denen sie den Heranwachsenden schon im Vorraum eine Geschichte erzählt, um ins Geschehen einzutauchen. Selbst während der Corona-bedingten Schließung des Kindergartens mussten die Kinder zwar auf die Eurythmie, nicht aber auf die Geschichten der Zwerge verzichten: Iris Fischer hat diese wöchentlich über den Kindergarten-Verteiler per E-Mail an die Eltern geschickt – sehr zur Freude der Mädchen und Jungen. Auch die Tradition einer kleinen Aufführung der Vorschulkinder, die sie vor dem Wechsel in die Schule den Eltern präsentieren, konnte der Kindergarten trotz des Covid-19-Notbetriebs aufrechterhalten. Um dafür üben zu können, brachten die Eltern ihre Kinder einmal in der Woche zu einem Extra-Termin in die Einrichtung. „Ich erlebe eine große Unterstützung von Erzieherinnen und Eltern“, sagt Iris Fischer. „Dieses Miteinander spüren die Kinder – und natürlich auch, dass wir liebevoll auf sie schauen.“

Mit Stampfen und Klatschen in einen gemeinsamen Rhythmus finden
Im Vordergrund der Kindergarten-Eurythmie steht das Gruppenerlebnis: Alle stellen sich im Kreis auf, das einzelne Kind tritt zurück. Damit sie sich gut in ihrem Körper erleben können, geht es durchaus handfest zu: Die Kinder stampfen kräftig mit den Beinen, klatschen in die Hände oder streifen ihre Arme entlang. Alles wird begleitet von rhythmischen Versen und Musik, eingebettet in eine jahreszeitlich passende Geschichte. „Wenn die Eurythmie zu sphärisch ist, erreicht man die Kinder in diesem Alter nicht. Die Bilder müssen durch die Bewegung stark nach außen kommen, damit sie innerlich einsteigen können“, so Iris Fischer. Als Eingangstor dient die rhythmisch belebte Sprache. In manchen Gruppen gibt es auch eine musikalische Begleitung. Ein wichtiges Werkzeug ist dabei die Stimme, die eine bestimmte Atmosphäre schaffen kann. „Viele Kinder sind heute überreizt und kommen nur schwer zur Ruhe. Manche sind auch erschöpft, dann fällt es ihnen schwer, in diesen Innenraum hineinzufinden, auch wenn es ruhig ist. Trotzdem leben sie stark in der Fantasie, deshalb sind die Zwerge auch so wichtig. Wenn ich ihre Geschichte erzähle, dann hängen alle Kinder an meinen Lippen – das ist nicht anders als vor fünfzig oder hundert Jahren.“

Viola Sattelkau weist auf einen weiteren wertvollen, pädagogischen Aspekt hin: „Es ist schön, als Erzieherin auch einmal in die Beobachterinnen-Rolle zu kommen. Wir machen zwar bei der Eurythmie mit, treten aber in den Hintergrund. Wir sind ein kleines Kollegium, da gibt es wenig Außenwahrnehmung. Frau Fischer kann uns mit ihrem Blick auf die Kinder hilfreiche Anregungen geben, zumal sie als Heileurythmistin auch therapeutisch geschult ist.“