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Öffentliche Gelder für die ökologische Pflanzenzüchtungsforschung – Institute, Verbände und Stiftungen richten Supportstelle ein

Foto: C. Fischer

Mit Beginn des Oktobers 2014 wurde am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Supportstelle für die ökologische Pflanzenzüchtungsforschung eingerichtet. Initiiert wurde sie von einem Aktionsbündnis, bestehend aus dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz und in Deutschland, den Verbänden der Ökologischen Landwirtschaft in Deutschland, der Stiftung Mercator Schweiz und der Software AG – Stiftung.

„Mit Dr. Monika Messmer vom FiBL aus der Schweiz und Dr. Klaus-Peter Wilbois vom FiBL Deutschland konnten ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtungsforschung für diese Stelle gewonnen werden“, betont Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Zu Löwenstein hat die Supportstelle mit initiiert und zeigte sich erfreut über die schnelle und pragmatische Umsetzung.

Gemeinsam biologische Vielfalt stärken
Ziel dieser auf fünf Jahre finanzierten Supportstelle ist unter anderem, ökologische Pflanzenzüchter dabei zu unterstützen, Gelder aus öffentlichen Förderprogrammen für Forschung und Landwirtschaft in Deutschland, der Schweiz und der Europäischen Union zu gewinnen. Damit soll dazu beigetragen werden, dass ökologische Pflanzenzüchtung Schritt für Schritt in einem Maße gefördert wird, wie das der Bedeutung der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland und in der Schweiz entspricht. Denn laut einem Forschungsreport des Thünen-Instituts von 2013 sind in Deutschland bei geschätzten fünf Milliarden Euro Forschungsmitteln für den Agrarsektor die jährlich 71 Millionen Euro für den Ökolandbau deutlich weniger als sein Markt (3,3 Prozent), Flächen- (6,2 Prozent) oder Betriebsanteil (7,7 Prozent). Der Bericht macht deutlich, dass zusätzlicher Nachholbedarf besteht. „Es geht darum, die biologische Vielfalt im Pflanzenbau zu stärken und neue offen abblühende Sorten für die ökologische Landwirtschaft zu züchten“, so Dr. Klaus-Peter Wilbois vom FiBL Deutschland. Dies sei im Interesse einer nachhaltigen Landwirtschaft und damit der gesamten Gesellschaft.

Die Stiftung Mercator Schweiz möchte mit ihrer Unterstützung der Supportstelle ökologische Züchtungsinitiativen in Deutschland und der Schweiz stärken. „Die ökologische Pflanzenzüchtung und -forschung ist ein wichtiger Pfeiler für die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus“, sagt Stephanie Huber, Projektmanagerin bei der Stiftung Mercator Schweiz.

Auch Sebastian Bauer, Projektleiter bei der Software AG – Stiftung, betont, dass die Einrichtung der Supportstelle ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sei. Bauer zufolge sollte die ökologische Pflanzenzüchtungsforschung zukünftig auf mehreren Säulen der Finanzierung stehen: Spenden aus dem gemeinnützigen Bereich, öffentliche Gelder, Lizenzbeiträge aus dem Saatgutverkauf und – hier besteht noch Nachholbedarf – die Beteiligung der gesamten Wertschöpfungskette im Rahmen von echter investiver Unterstützung. 

Durch die direkte Einbindung der Züchtungsinitiativen mittels Workshops, der Expertise und Vernetzung des Forschungsinstituts und einer regelmäßigen Evaluation durch einen Beirat wird gewährleistet, dass die Bedürfnisse aller Stakeholder Berücksichtigung finden und so zu einer erfolgreichen Umsetzung beitragen.

Die Finanzierung in Höhe von jährlich über 80 000 Euro setzen sich mit je 24 000 Euro aus den Beiträgen der beiden Stiftungen, einem Eigenanteil des FiBL sowie rund zwölftausend Euro aus den Mitteln der ökologischen Verbände zusammen.

Die Software AG – Stiftung ist eine eigenständige und gemeinnützige Förderstiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Darmstadt. Sie ist keine Unternehmensstiftung, sondern Großaktionär der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Software AG. Aus den Erträgen des rund eine Milliarde Euro umfassenden Stiftungsvermögens unterstützt die Software AG – Stiftung (SAGST) seit 1992 ausgewählte Projekte freier, ausschließlich und unmittelbar gemeinnützig tätiger Träger. Eine besondere Aufgabe wird darin gesehen, aktiv Projekte zu initiieren, um damit grundlegende und übergreifende Entwicklungen und Vorhaben im Rahmen der Stiftungsverfassung (i. d. Fassung vom 28. Mai 2002) zu verfolgen. Selbstverständlich ist für die Software AG – Stiftung die Umsetzung der 2006 verabschiedeten „Grundsätze guter Stiftungspraxis“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Die Software AG – Stiftung verfügt über eine eigene Vermögensverwaltung.

Die Stiftung Mercator Schweiz  fördert und initiiert Projekte in den Bereichen „Wissenschaft“, „Kinder und Jugendliche“ und „Mensch und Umwelt“. Mit ihrem Engagement im Bereich „Mensch und Umwelt“ setzt sie sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt ein. Die Stiftung möchte Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Bedeutung der Umwelt sensibilisieren und sie durch lebensnahe Erfahrungen darin stärken, ihren Alltag umweltgerecht zu gestalten. Zudem unterstützt die Stiftung die Wissenschaft, neue Erkenntnisse im Bereich der Ressourcenforschung und des biologischen Landbaus zu gewinnen.

FiBL Schweiz: Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wurde 1973 gegründet und ist seit 1997 in Frick ansässig. Es ist weltweit eine der führenden Forschungseinrichtungen für biologische Landwirtschaft und beschäftigt über 135 Fachleute. Die enge Verzahnung verschiedener Forschungsgebiete und der rasche Wissenstransfer von der Forschung zur Beratung und in die Praxis sind die Stärken des FiBL. Die Kompetenz des FiBL ist auch ausserhalb der Schweiz gefragt. Daher ist das FiBL international an zahlreichen Projekten beteiligt – sowohl in Forschung, Beratung und Weiterbildung als auch in der Entwicklungszusammenarbeit.

Das FiBL Deutschland bietet wissenschaftliche Serviceleistungen für den ökologischen Landbau, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis. Daraus ergeben sich vier Säulen der Arbeit für die ökologische Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft: Wissenstransfer, Erarbeitung von Konzepten zur Stärkung des ökologischen Landbaus, Wissenschaftliche Unterstützung und Begleitung von Akteuren und Förderung der Vernetzung von Akteuren. Das FiBL Deutschland beschäftigt derzeit fünfundzwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Vorstand besteht aus elf Personen.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist der Dachverband, in dem sich die deutschen Verbände der Erzeuger, Verarbeiter und Händler ökologischer Lebensmittel zusammen geschlossen haben. Sie nutzen ihn als Plattform für gemeinsame Projekte, für den Austausch und für die politische Arbeit auf Bundesebene. Seine Aufgabe ist es, auf gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Ausweitung der ökologischen Wirtschaftsweise hinzuarbeiten.