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Positive Bilanz: Gemeinwohl-Ökonomie an Schulen

Foto: C. Fischer

Verantwortungsvolles Wirtschaften umfasst mehr als den Blick auf Einnahmen und Ausgaben. Wie transparent sind die Prozesse im Unternehmen? Welche Arbeitsbedingungen haben die Zulieferer? Sind die produzierten Waren oder angebotenen Dienstleistungen gut für Mensch und Umwelt? Die vor knapp zehn Jahren von dem österreichischen Aktivisten Christian Felber initiierte Gemeinwohl-Ökonomie schaut genauer hin und untersucht mit einem alternativen Bilanzierungsverfahren, ob und wie ein Unternehmen dem Wohle aller dient.

In einem von der Software AG – Stiftung initiierten Pilotprojekt hat mit der Waldorfschule Wetterau in Bad Nauheim nun erstmals eine Freie Schule in Deutschland eine solche Gemeinwohl-Bilanz erstellt und eine entsprechende Zertifizierung erhalten. „Dem anthroposophischen Menschenverständnis und unserem pädagogischen Konzept liegen Werte zugrunde, die seit jeher am Gemeinwohl orientiert sind“, erläutert Jana Theurer, Geschäftsführerin der Schule. „Dies zu verdeutlichen und über das Wertesystem eines verwandten Impulses in einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden“, fügt Autorin und Koordinatorin Birgit Brauburger  hinzu, „ist uns mit dem Projekt gelungen.“ Für die Bilanzierung spielen Werte wie Nachhaltigkeit, Mitentscheidung oder Gerechtigkeit eine zentrale Rolle – und das in Bezug auf alle mit dem Unternehmen verbundenen Gruppen wie etwa Lieferant*innen, Mitarbeitende und Kund*innen, aber auch das weitere gesellschaftliche Umfeld. Die Analyse der beiden abgeschlossenen Geschäftsjahre 2015 und 2016 durch eine externe Auditorin ergab ein sehr gutes Ergebnis: Die Gemeinwohl-Bilanzsumme der Schule liegt zwischen den Stufen „erfahren“ und „vorbildlich“.

Eingebettet ist das Ganze in einen umfassenden Schulentwicklungsprozess, in dem das Kollegium gemeinsam mit Schüler*innen und Eltern zukunftsfähige Strategien für die Weiterentwicklung der Schule diskutierte. Parallel dokumentierten die Verantwortlichen ihre Arbeit in einem umfangreichen Reader, der interessierten Schulen sowie anderen sozialen Einrichtungen wertvolle Anregungen für die eigene Bilanzierung, aber auch die Weiterentwicklung der Gemeinwohl-Matrix selbst geben kann. „Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein starker Veränderungshebel, um auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene Entwicklungen in Gang zu bringen“,  ist Andreas Rebmann überzeugt, der das Projekt vonseiten der Software AG – Stiftung begleitet hat. „Wir freuen uns über den erfolgreichen Abschluss des Pilotprojekts und hoffen, dass viele weitere Bildungseinrichtungen von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren und ihre Gemeinwohl-Potentiale künftig noch besser darstellen können.“