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Transparent und mitten im Leben: Gläserne Werkstatt für Menschen mit Behinderung

In der Gemeinde Heiligenberg am Bodensee leben rund 3.000 Menschen. Mehr als 100 von ihnen gehören der 1976 gegründeten Dorfgemeinschaft Hermannsberg an. Als eine von insgesamt fünf Camphill-Einrichtungen in der Region ist sie sowohl Wohn- und Arbeitsplatz als auch Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung. Mit dem Neubau der sogenannten „Gläsernen Werkstatt“, einer Schreinerei im Industriegebiet Frickingen, geht die Dorfgemeinschaft neue Wege und öffnet sich dem umliegenden Sozialraum.

Bis vor kurzem befand sich die Schreinerei der Camphill Dorfgemeinschaft Hermannsberg e. V. in den Räumen eines ehemaligen Franziskanerinnenklosters – hoch oben auf einem abgeschiedenen Bergsporn. Sie stellt einen der insgesamt zehn Arbeitsbereiche für 120 Menschen mit Behinderung dar. Die Tätigkeitsfelder sind vielfältig und liegen im Bereich Handwerk und Dienstleistung sowie in der Landwirtschaft. Letztere wird auf dem Lichthof, einem 60 Hektar umfassenden Anwesen, nach biologisch-dynamischen Kriterien betrieben. Hinzu kommen zwölf Hausgemeinschaften und 18 Plätze für Menschen mit hohem Assistenzbedarf.

Bei der Neuausrichtung der sozialtherapeutischen Einrichtung am Hermannsberg entstand ein umfassendes Zukunftskonzept. Hierzu zählt auch die schrittweise Dezentralisierung der Wohn- und Arbeitsplätze. Auf diese Weise sollen die Menschen mit Behinderung ein Stück weiter in die Mitte der Gesellschaft rücken und bisherige Hürden überwunden werden. Im Falle der sanierungsbedürftigen Schreinerei entschied man sich deshalb gegen die bislang schöne, aber isolierte Lage auf der Anhöhe. Stattdessen fiel die Wahl auf einen Neubau im nahe gelegenen Industriegebiet Frickingen – einen Platz mitten im Leben und noch dazu Teil der ganz normalen Arbeitswelt. Das zweigeschossige Gebäude wurde in Holzständerbauweise errichtet und im Dezember 2018 in Betrieb genommen. Seither werden hier an fünf Tagen pro Woche unter verbesserten Produktionsbedingungen neben Spielzeug und Kunsthandwerk auch Küchen, Türen und Möbel aus Holz hergestellt. Zudem besteht an diesem offenen und lichtdurchfluteten Ort die Möglichkeit zu direktem Kundenkontakt.

Durch die bewusste Integration in den öffentlichen Raum wird die Selbstständigkeit der Menschen mit Assistenzbedarf gefördert und ihr Selbstwirksamkeitserleben gestärkt. Vor diesem Hintergrund erfolgte auch die Förderung der Umbaumaßnahme durch die Software AG – Stiftung (SAGST) in Darmstadt. Die Förderstiftung habe, betont der verantwortliche Projektleiter Konrad Lampart, insbesondere die große Ernsthaftigkeit der Einrichtung bei der Umsetzung von inklusiven Ideen überzeugt, mit der die Dorfgemeinschaft ihre Verantwortung als Träger der Eingliederungshilfe wahrnimmt. Dies zeige sich u. a. darin, dass alle 18 Beschäftigten, die heute in der „Gläsernen Werkstatt“ tätig sind, bereits an der Planung des neuen barrierefreien Arbeitsbereiches mitgewirkt haben.