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Wenn das Leben anders LÄUFT?! – Jugendliche Systemsprenger finden in der WERKstattSCHULE Heidelberg neuen Halt

Mit dem Jugendprojekt LÄUFT?! wendet sich der Heidelberger Verein WERKstattSCHULE an Schulverweigerer und Systemsprenger, die vom Jugendamt vermittelt werden. Sie haben häufig nicht nur einen besonders schwierigen familiären Hintergrund, sondern auch  Erfahrung mit Obdachlosigkeit, Drogenkonsum oder Jugendkriminalität. Diesen Heranwachsenden den nötigen Halt und Bildungsperspektiven (zurück)zugeben ist Ziel des Projekts.

Dabei geht es dem LÄUFT?!-Team vor allem darum, Kontakt und Vertrauen aufzubauen. Die Mitarbeiter machen deshalb Angebote, zwingen den 15- bis 25-Jährigen aber keine Strukturen auf. Die Pädagogen, Handwerker und Künstler setzen vielmehr auf Gemeinschaftserlebnisse, Ausflüge und praktische kreative Arbeit. Im alten Bahnbetriebswerk hat der Verein WERKstattSCHULE dafür die passenden Räume gefunden. Die denkmalgeschützten Backsteingebäude beherbergen die Büroräume und Werkstätten des Vereins. Hier können die jungen Erwachsenen u.a. mit Holz oder Stein arbeiten, Sitzmöbel oder Spielplatzelemente bauen und eigene Ideen entwickeln.

Aus einer solchen Idee heraus sind im Innenhof mehrere Hochbeete aus Holz entstanden. Hier gedeihen seit dem Sommer selbst gezogene Gurken, Tomaten und Kürbisse neben Kräuterbeeten. Vom Säen bis zur Ernte kümmern sich die Jugendlichen komplett eigenständig um den kleinen Garten. Einige von ihnen stehen inzwischen sogar regelmäßig in der hauseigenen Küche und verarbeiten das Geerntete zu Mittagessen für die ganze Gruppe. Darüber hinaus trägt die Idee weitere Früchte, denn aktuell schreiben die jungen Hobbyköche an ihrem ersten Kochbuch und machen damit deutlich, dass zum Lernen nicht allein der Kopf, sondern auch Herz, Hand und Fuß gehören.

Dass dieser handlungspädagogische Bildungsansatz funktioniert, erlebt Hendrikje Lorenz, Geschäftsführerin der Vereins  WERKstattSCHULE auch an ganz anderer Stelle: „Dieses Jahr haben drei unserer Jugendlichen sehr erfolgreich ihren Hauptschulabschluss geschafft“, erzählt sie. „Sie haben sich zum Lernen immer hier bei uns getroffen und sich vor den Prüfungen auch ihr ‚Tschakka‘ bei uns abgeholt. Nach den Prüfungen sind sie wieder ins Projekt gekommen, um zu berichten, wie es gelaufen ist.“ Das zeige anschaulich, so Lorenz, welchen emotionalen Halt die Mitarbeitenden und die Gruppe geben.

Neben Läuft?! engagiert sich der Verein WERKstattSCHULE auch mit Workshops und Berufsfindungswochen an zahlreichen Schulen in der Region. Zwischen Weinheim, Buchen und Karlsruhe gibt es aktuell 70 Kooperationen, in denen praktisches, technisches und handwerkliches Arbeiten vermittelt wird.