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ZAZ: Eine Vision wird Wirklichkeit – Feierliche Eröffnung der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen im Dorfprojekt Juchowo

Fotogalerie: ZAZ-Eröffnung, Juchowo

Fotos: Dorfprojekt Juchowo

U. Sroka, Vst. Stanisław Karłowski-Stiftung & ZAZ-Leiterin

U. Sroka, Vst. Stanisław Karłowski-Stiftung & ZAZ-Leiterin

J. Gromek, Vst. der westpomm. Woiwodschaft

U. Sroka, Vst. Stanisław Karłowski-Stiftung & ZAZ-Leiterin

K. Lis, OB des Bezirks Szczecinek

R. Zelazna, Vst. Stanisław Karłowski-Stiftung

W. Schneider, Projektleiter bei der SAGST

„Der Erfolg hat viele Väter“: An diese Redensart mag sich erinnert fühlen, wer den Werdegang der Sozialtherapie in Juchowo verfolgt hat, die nun mit der feierlichen Eröffnung der „ZAZ“ (Abkürzung für „Zakład Aktywności Zawodowej) ihren Höhepunkt fand. Als Anfang des Jahrtausends die Idee entstand, im nordwestlichen Polen auf 2.000 Hektar brachliegendem Land ein Dorfprojekt ins Leben zu rufen, war es den Initiatoren u.a. ein großes Anliegen, auch Menschen mit Behinderungen eine sinnstiftende und heilsame Tätigkeit zu ermöglichen. Die „ZAZ“ als Werkstatt für diesen Menschenkreis war also „pränatal“ eines der wichtigen Ziele des Großprojekts, das die Software AG – Stiftung (SAGST) von Anfang an begleitet hat.

Den Boden für diese und andere Entwicklungen sollte die biologisch-dynamische Landwirtschaft bereiten. Leitend war dabei aber nicht die Frage danach, wie Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in den landwirtschaftlichen Betrieb integriert werden könnten, wie Wilfried Schneider bei seiner Festansprache zur feierlichen Eröffnung der Werkstatt verdeutlichte. Die SAGST hätten, so Schneider, der als Projektleiter von Beginn an im Projekt engagiert war und gewissermaßen als „Geburtshelfer“ der ZAZ fungierte, vielmehr ganz andere Fragestellungen bewegt, als sie 2001 in das Projekt eingestiegen sei: „Wir haben uns gefragt, was brauchen Menschen mit Unterstützungsbedarf in dieser Region und zu diesem Zeitpunkt. Was haben Menschen über die Angebote, die es bereits gibt, schon erreicht und was benötigen sie zukünftig, um sich ihren Wünschen und Möglichkeiten entsprechend weiter entwickeln zu können?“

Es sollte 18 Jahre dauern, bis auf diese Fragen eine Antwort gegeben werden konnte. Denn es mussten sich noch viele weitere Väter, Mütter und Geburtshelfer einfinden, um das Projekt auf die Erde zu bekommen. Ein Erfolgsrezept war dabei sicher, dass die Projektverantwortlichen es zugelassen haben, dass Mitwirkung und Unterstützung aus ganz verschiedenen Richtungen möglich wurde, wie Urszula Sroka, Vorstandsmitglied der Stanisław Karłowski-Stiftung und Leiterin der Sozialtherapie herausstellte: „Wir haben alle Beteiligten mit einbezogen – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partner, Unterstützer, Politik sowie die Menschen mit Behinderungen selbst.“

Das hat dazu geführt, dass das Projekt ein wirklicher Impuls für die Region und aus der Region geworden ist, wie auch die Finanzierung deutlich zeigt: Von den insgesamt neun Millionen Złoty, die für die Realisierung benötigt wurden, konnten gut sechs Millionen über ein Regionalprogramm der westpommerschen Woiwodschaft gestemmt werden. „Den Menschen, die Unterstützung benötigen, wollen wir helfen“, erläuterte Janusz Gromek, Mitglied des Vorstandes der westpommerischen Woiwodschaft, den Ansatz seiner Behörde. Er bezeichnete die ZAZ als vorbildhaften und wichtigen Bestandteil der Region. Dem schloss sich der Oberbürgermeister des Bezirks Szczecinek, Krzysztof Lis, an: „Die ZAZ ist auch unser ‚Baby‘, weil wir in Planung und Entwicklung so hervorragend eingebunden waren – wir sind stolz darauf, dass diese ZAZ in unserer Region entstanden ist“, erklärte der Politiker.

In der ZAZ, deren Bau die SAGST mit 3 Millionen Złoty mit unterstützt hat, werden 50 Menschen mit Hilfebedarf sowie 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Leitung, Betreuung und Administration zusammenarbeiten können und qualitativ hochwertige Produkte für die Region fertigen. Die Arbeitsfelder sind dabei vielseitig und reichen vom Herstellen von Säften und Sirupen über das Backen von Brot sowie das Flechten von Körben bis hin zur Arbeit im Garten oder in der Landwirtschaft.

Diese Vielfalt beeindruckte auch die anwesende Festgemeinschaft. „Was hier über die Jahre entstanden ist, erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit“, betonte beispielsweise Peter Augustin, stellvertretender Vorstand der SAGST. Er sah in Juchowo einen Ort, an dem unterschiedlichste Menschen Raum finden, um einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung zu leisten und sich im Zusammenwirken mit anderen Menschen tätig zu erleben. „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht seine Einschränkung oder Behinderung, denn es wird nicht auf die Defizite geschaut, sondern darauf, wie der Einzelne seine Potenziale entfalten kann.“

Entwicklung, fügte Wilfried Schneider hinzu, sei auch ein wichtiges Stichwort für die Zukunft der ZAZ. Er machte deutlich, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt richtig beginne: „Nicht Eltern, nicht Einrichtungen, nicht gesetzliche Betreuer sollten die Entscheidung treffen, wo ihre Kinder, ihre Betreuten leben und arbeiten wollen. Es ist unser aller Aufgabe, mit den uns anvertrauten Menschen gemeinsam herauszufinden, was sie wollen, was sie sich vorstellen können“.

Dieser Weg zu einer wirklichen Inklusion muss aus Sicht der SAGST selbstbewusst und zunehmend selbstständig gegangen werden. Denn auch wenn die ZAZ erst vor kurzem geboren wurde, ist das Dorfprojekt mit 18 Jahren inzwischen volljährig geworden. Da sei es nur natürlich und folgerichtig, wenn das Großprojekt sein Schicksal nun nach und nach auch selbst in die Hand nehme: „Wir wurden in unserem Vertrauen in eine verantwortliche und in Freiheit wirkende Gemeinschaft nicht enttäuscht und können nun erleben, wie dieses Projekt erwachsen geworden ist und sich im Wesentlichen aus eigener Wirtschaftskraft trägt. Diesen Schritt in die Eigenverantwortung begleiten wir gerne freundschaftlich“, bekräftigte Augustin.