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Zukunftsfähig Wirtschaften: Inklusives Arbeitsleben in der Postwachstumsgesellschaft

Foto: Charlotte Fischer

Lange Zeit galt Wachstum als unentbehrlicher Motor der Wirtschaft – je schneller und je mehr, desto besser. Angesichts begrenzter Ressourcen sowie großer ökologischer und sozialer Herausfor-derungen mehren sich jedoch kritische Stimmen. Sie fordern eine Postwachstumsökonomie, also eine Wirtschaftsform ohne quantitative Wachstums-orientierung. Wie lassen sich diese Gedanken mit der Idee der Teilhabe von Menschen mit Assistenzbedarf am Arbeitsleben verbinden? Danach fragt ein Projekt des Anthropoi Bundesverbands, dem Fachverband der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie.

Zu den Mitgliedseinrichtungen gehören Lebensgemeinschaften und Werkstätten, in denen Menschen mit und ohne Behinderungen nicht nur gemeinsam leben, sondern auch arbeiten. Dort gelingt Teilhabe am Arbeitsleben vor allem, weil die Beschäftigten ihre Arbeit in überschaubaren Zusammenhängen als sinnhaft erleben können. Dieser Ansatz deckt sich in zentralen Punkten mit dem Konzept einer Postwachstumsgesellschaft – dazu gehört die starke handwerkliche und regionale Ausrichtung ebenso wie der Anspruch, ökologisch sinnvolle und nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Inwiefern können diese Orte also zum Vorbild für dringend nötige gesellschaftliche Veränderungen werden?

Im von der Software AG – Stiftung geförderten Projekt „Zukunftsfähige Teilhabe am Arbeitsleben – Auf dem Weg in eine Postwachstumsgesellschaft“ haben der Umweltökonom Dirk Posse sowie der Politik- und Umweltwissenschaftler Jonathan Niessen drei Jahre lang mit mehreren Anthropoi-Einrichtungen zusammen gearbeitet. Dabei wollten sie nicht nur die wirtschaftliche Resilienz der Werkstätten stärken, sondern auch die spezifischen Leistungen der anthroposophischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaften sichtbar machen und weiter entwickeln. Nach ersten Besuchen in 17 Mitgliedseinrichtungen und vielen konstruktiven Gesprächen sind konkrete Beratungsprozesse und – daraus folgend – neue Projekte in drei Einrichtungen entstanden. Eine davon ist die Lebensgemeinschaft e.V. Münzinghof in Mittelfranken. Die Wissenschaftler begleiteten dort einen Prozess zur stärkeren Sozialraum-Orientierung, dessen Ergebnis u.a. die Übernahme und eigenständige Weiterentwicklung des inklusiven Ladencafés „Die Vogelbeere“ in Vorra ist. „Die Erfahrungen des Projektes zeigen, dass sich die Zukunftsfähigkeit der Einrichtungen am ehesten durch zwei Dinge stärken lässt“, erklären die Projektverantwortlichen in ihrem Abschlussbericht. „Erstens durch die Schulung und Motivation der Mitarbeitenden und zweitens durch einen Dialog und mögliche Kooperationen mit gesellschaftlichen Akteuren, die ähnliche Ziele verfolgen.“