Chancengleichheit an Waldorfschulen: Neue Promotion am Graduiertenkolleg Waldorfpädagogik

Von echter Bildungsgerechtigkeit ist Deutschland immer noch weit entfernt: Nach wie vor spielt der soziale und finanzielle Hintergrund des Elternhauses eine große Rolle dabei, ob junge Menschen einen höheren Schulabschluss ablegen und sich für ein Studium entscheiden. Dies gilt erst recht für junge Geflüchtete, die nach häufig traumatischen Erlebnissen in der neuen Heimat Fuß fassen müssen. Mit ihrer besonderen Situation und ihren Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem beschäftigt sich eine kürzlich im Rahmen des Graduiertenkolleg Waldorfpädagogik der Alanus Hochschule in Alfter abgeschlossene Promotion. Für ihre Dissertation mit dem Titel „Ich will kein Märchen werden“ begleitete Stipendiatin Larissa Beckel eineinhalb Jahre lang geflüchtete SchülerInnen einer Waldorfschule und befragte sie zu ihrer Lage.

Dank selbstverwalteter Strukturen und mehr Flexibilität bei der Unterrichtsplanung könnten Waldorfschulen besonders gut auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen, erläutert Beckel die Erkenntnisse aus ihrer Promotion in einem Interview, das auf der Website der Alanus Hochschule veröffentlicht wurde: „Der ganzheitliche Blick auf die Lebenssituation der jungen Geflüchteten macht es möglich, individuelle Angebote zur Unterstützung und Förderung zu finden.“ Das damit verbundene Engagement der Lehrkräfte für einzelne SchülerInnen werde von diesen sehr geschätzt, führt die Promovendin weiter aus: „Die Jugendlichen berichteten, dass sie sich dadurch stärker gesehen und wertgeschätzt fühlen als an anderen Schulen. Dies hilft ihnen, an der Schule und damit auch in Deutschland anzukommen und ist ein wichtiger Baustein, um ihren Bildungsweg zu unterstützen.“ An der beforschten Schule werden die SchülerInnen von einem multiprofessionellen Team betreut, zu dem auch SchulsozialarbeiterInnen gehören. Einige KollegInnen verfügen über therapeutische Zusatzqualifikationen, manche haben selbst einen migrantischen Hintergrund.

Das 2015 gegründete Graduiertenkolleg Waldorfpädagogik an der Alanus Hochschule vergibt Stipendien für Promotionsvorhaben, um Forschung sowie akademische Nachwuchsförderung im Bereich der Waldorfpädagogik anzuregen. Finanziert wird das Programm von der SAGST, der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen und der Firma Stockmar.