Pionier der Pflanzenzüchtung: Bundesverdienstkreuz für Dr. Hartmut Spieß

1977 bis 2020 leitete Hartmut Spieß die Abteilung Forschung & Züchtung auf dem Dottenfelderhof (FZD) in Bad Vilbel. Sie zählt zu den führenden ökologischen Getreide- und Gemüsezuchtinitiativen im deutschsprachigen Raum. Spieß, der im Rahmen von Langzeitversuchen am Institut für biologisch-dynamische Forschung in Darmstadt beispielsweise bio-dynamische Methoden zur Düngung und Unkrautregulierung untersuchte, gründete dort eine Außenstelle. Sein Ziel dabei war es, zentrale Forschungsfragen des bio-dynamischen Landbaus unter Praxisbedingungen zu bearbeiten – ein Vorgehen, das heute unter dem Begriff „On-farm Research“ geläufig und von großer Relevanz ist. Unter anderem aufgrund dieser Aktivitäten und der daraus gewonnenen Erkenntnisse waren der Dottenfelderhof bzw. der Bereich Forschung & Züchtung 2002 und 2018 Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau.

Die Software AG – Stiftung (SAGST) verbindet mit dem Agrarwissenschaftler ebenso wie dem Bad Vilbeler Hof seit Jahrzehnten eine vertrauensvolle Partnerschaft. „Wir freuen uns mit Hartmut Spieß und gratulieren ihm herzlich zu dieser wohlverdienten Anerkennung seines unermüdlichen Engagements“, so Sebastian Bauer, Projektverantwortlicher bei der SAGST. „Mit großem Gespür für wesentliche Fragestellungen unserer Zeit ist er stets für aktuelle Herausforderungen empfänglich gewesen. So konnte er durch persönlichen Einsatz und gegen vielerlei Widerstände sowohl in der praktischen Züchtungsarbeit als auch auf wissenschaftlichem Felde den bio-dynamischen Landbau und die ökologische Pflanzenzüchtung entscheidend voranbringen.“

Dr. Hartmut Spieß hat mit seinen Untersuchungen zur Rhythmen-Forschung die erste Habilitationsschrift über ein bio-dynamisches Thema vorgelegt und damit den Weg für eine breitere wissenschaftliche Auseinandersetzung und Anerkennung geebnet. Schon früh erkannte er die Notwendigkeit sowie Bedeutung einer professionellen und eigenständigen ökologischen Saatgutzüchtung. Ab Ende der 1990er-Jahre verlagerten er und seine Mitarbeitenden ihren Forschungsfokus deshalb zunehmend in Richtung Züchtung. So wurden erstmals neue ökologisch Weizen-Sorten mit Steinbrand- und Flugbrandresistenz und gleichzeitig ausgezeichneten Backeigenschaften gezüchtet. Seit einigen Jahren entwickelt das Team zudem züchterische Strategien zur Anpassung der Landwirtschaft an die Auswirkungen des Klimawandels, etwa durch die Züchtung heterogener Getreide-Populationen, die Witterungsextreme besser aushalten können und stabilere Erträge bzw. Qualität als herkömmliche Sorten liefern. Die FZD zählt heute zehn Mitarbeiter:innen, die Hartmut Spieß’ Lebenswerk in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in die Zukunft tragen wollen.