„Unser Vermögen soll bereits durch seine Anlage Wirkung entfalten.“
Wie investiert die Software AG – Stiftung (SAGST) – und welche Grundsätze leiten ihre Kapitalanlage? Ergänzend zum Förder- und Finanzbericht für das zurückliegende Geschäftsjahr gibt Finanzvorstand Markus Ziener Einblicke in die langfristige Vermögensstrategie der SAGST. Er erläutert, wie wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesellschaftlicher Mehrwert seine Entscheidungen prägen – und warum ein verantwortungsvolles Assetmanagement die Grundlage dafür ist, den Stiftungsauftrag dauerhaft erfüllen zu können.
Herr Ziener, viele Stiftungen entfalten Wirkung durch ihre Förderung. Sie sagen, Wirkung beginne bereits bei der Vermögensanlage. Warum?
Markus Ziener: Unser Auftrag besteht nicht nur darin, Erträge für die Förderung zu erwirtschaften. Auch die Art, wie wir unser Vermögen anlegen, ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses als gemeinnützige Stiftung. Für uns gehören ökonomische Stabilität und sozial-ökologische Verantwortung untrennbar zusammen. Denn nur ein Vermögen, das langfristig erhalten bleibt und zukunftsfähig aufgestellt wird, kann dauerhaft gesellschaftliche Wirkung ermöglichen.
Die SAGST hat ihr Vermögen in den vergangenen zehn Jahren umfassend transformiert. Welche Bilanz ziehen Sie mit Blick auf das zurückliegende Geschäftsjahr?
Markus Ziener: 2025 markiert für uns einen wichtigen Meilenstein. Die Vermögenstransformation, die wir vor rund zehn Jahren begonnen haben, ist heute weitgehend abgeschlossen. In dieser Zeit haben wir über eine Milliarde Euro neu investiert und die Vermögensstruktur der Stiftung grundlegend umgestellt. Damit verlagert sich unser Schwerpunkt: Im Mittelpunkt stehen nun die strategische Steuerung und die kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Portfolios.
Worauf kommt es in dieser Phase besonders an?
Markus Ziener: Ein zentrales Handlungsfeld war im vergangenen Jahr der Ausbau unseres Engagements in den erneuerbaren Energien. Dafür haben wir mit der Gründung der SAGST Renewables GmbH 2024 die organisatorische Basis geschaffen. Ende 2025 umfassten unsere Investitionen in Wind- und Solarenergie bereits rund 146 Millionen Euro bei einer installierten Leistung von rund 100 Megawatt. Diese Anlagen passen hervorragend zu unserem langfristigen Investitionsansatz und machen unser Gesamtvermögen widerstandsfähiger. Parallel dazu haben wir 2025 auch am Kapitalmarkt wichtige Weichen gestellt. Den Wechsel unseres Asset Managers haben wir genutzt, um unsere Nachhaltigkeitsstrategie zu schärfen. Nachhaltigkeit definieren wir heute nicht mehr ausschließlich über Ausschlusskriterien. Stattdessen investieren wir gezielt in Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit oder Projekte selbst einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten.
Nachhaltige Geldanlage wird häufig mit Renditeverzicht verbunden. Weshalb sehen Sie das anders?
Markus Ziener: Weil Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind, sondern untrennbar zusammengehören. Langfristiger Werterhalt ist die Voraussetzung dafür, dass Kapital dauerhaft gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.
Wie entfaltet Ihr Vermögen diese Wirkung konkret?
Markus Ziener: Je nach Anlageform auf unterschiedliche Weise. Bei unseren Unternehmensbeteiligungen ergibt sich der gesellschaftliche Beitrag bereits aus dem Unternehmenszweck. Im Immobilienbereich schaffen wir dringend benötigten Wohnraum und entwickeln Neubauten nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards. Am Kapitalmarkt orientieren wir uns an klar definierten Nachhaltigkeitskriterien, die wir konsequent in unseren Anlagerichtlinien umsetzen.
Mit der Forstwirtschaft erschließen Sie derzeit ein weiteres Asset. Was spricht für diesen Schritt?
Markus Ziener: Wald gehört seit Jahrhunderten zum Besitz vieler Stiftungen. Nicht ohne Grund: Kaum ein anderer Bereich ist so konsequent auf langfristigen Werterhalt und eine nachhaltige Bewirtschaftung ausgerichtet – und verbindet dies zugleich mit einem wichtigen Beitrag für Klima, Biodiversität und den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen. Das passt sehr gut zu unserem Verständnis von verantwortungsvollem Investieren. Gleichzeitig entwickeln wir auch unser Immobilienportfolio weiter. Perspektivisch möchten wir den Anteil von Wohnimmobilien erhöhen und uns schrittweise von einzelnen Gewerbeimmobilien trennen.
Was unterscheidet die Vermögensstrategie einer Stiftung von der eines klassischen Investors?
Markus Ziener: Eine Stiftung denkt nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Das verändert den Blick auf den Umgang mit Kapital. Im Mittelpunkt steht nicht die kurzfristige Entwicklung einzelner Anlagen, sondern die langfristige Qualität und Robustheit des Gesamtportfolios. Unser Ziel ist es, das Vermögen so aufzustellen, dass es auch unter veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dauerhaft die Grundlage unseres Förderauftrags bildet.
Wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken: Welche Erkenntnis nehmen Sie mit?
Markus Ziener: Mein wichtigstes Fazit ist, dass die strategische Entwicklung unseres Vermögens nie abgeschlossen ist. Es ist kein statischer Bestand, sondern erfordert eine kontinuierliche Anpassung an veränderte wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Als Stiftung müssen wir dabei immer wieder die richtige Balance finden: Wir wollen heute möglichst viel für den Stiftungszweck bewirken und zugleich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass dies auch künftigen Generationen möglich bleibt. Dieses Spannungsfeld prägt jede Anlageentscheidung. Für mich hat sich dabei ein Gedanke immer stärker bestätigt: Unser Vermögen soll nicht erst durch seine Erträge Wirkung entfalten, sondern bereits durch die Art, wie wir es anlegen.