Die von uns geförderten Projekte sind
unsere Fenster in die Welt.

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Ernährungswende einfach machen: Tiny Farms Academy

Das zunächst vielleicht überraschende Konzept der Tiny Farms widersetzt sich dem vorherrschenden Trend zu immer größeren, industriell organisierten Betrieben: Es bildet gerade in städtischen Großräumen eine attraktive Ergänzung, um die regionale Lebensmittelversorgung zu unterstützen. In Berlin etwa sollte laut Senatsbeschluss bevorzugt regional erzeugtes Biogemüse bei der Gemeinschaftsverpflegung an Schulen zum Einsatz kommen, doch die Produktionskapazitäten reichen dafür bisher bei Weitem nicht aus. Hier kann ein Netzwerk vieler kleiner Erzeuger – quasi ein virtueller Großbetrieb – Abhilfe schaffen, so die Idee. Mittelfristig wird ein ganzer Ring von kleinen Betrieben rund um Berlin entstehen. Durch die Nähe zur Stadt können Kindergartengruppen und Schulklassen die Gärten, in denen ihr Essen wächst, unkompliziert besuchen – und erhalten so einen unmittelbaren Bezug zu dem gesunden Gemüse, das später auf ihren Tellern landet.

Gegründet haben die Initiative der Agrarwissenschaftler Tobias Leiber und der Nachhaltigkeitsberater Jacob Fels. Geschickt nutzen sie die Möglichkeiten der Digitalisierung, um Kosten zu reduzieren und die Produktivität im Verbund zu steigern. Seit 2020 entwickeln sie den Prototypen einer solchen Tiny Farm, zwei weitere folgten im Frühjahr 2021. Da sie alle auf einem bestehenden biodynamischen Betrieb liegen, ist auch eine Demeter-Zertifizierung vorgesehen. „Angesichts der wirtschaftlichen und personellen Herausforderungen, die heute mit der Gründung großer landwirtschaftlicher Betriebe verbunden sind, ist die Zusammenarbeit vieler kleiner und kleinster Betriebe eine sinnvolle Alternative“, ist SAGST-Projektleiter Sebastian Bauer überzeugt. Eine weitere Hürde stellt die Ausbildung dar – insbesondere für Quereinsteiger, die sich schon allein aus finanziellen Gründen kaum für eine dreijährige staatliche oder biodynamische Ausbildung entscheiden.

Doch auch viele junge Menschen wollen am liebsten sofort einsteigen und scheuen die klassischen, langwierigen Qualifizierungswege. „Hier setzt die von unserer Stiftung geförderte Tiny Farms Academy an“, führt Bauer aus. „Das einjährige Vollzeit-Trainingsprogramm verlangt keine landwirtschaftlichen Vorkenntnisse und bereitet effizient auf die klar umrissenen Aufgaben der Leitung eines solchen Kleinbetriebs vor.“ Die Ausbildung kombiniert darüber hinaus die Vorteile von Präsenzveranstaltungen sowie E-Learning und wird durch eine Online-Plattform mit Video-Tutorials oder Präsentationen ergänzt. Die Trainees eines Jahrgangs bauen gemeinsam neue Tiny Farms auf, die sie im Folgejahr in Selbstverantwortung übernehmen. 2021 startete eine Pilotausbildung mit fünf Teilnehmenden, bei der die Verantwortlichen auch mit der Freien Demeter-Ausbildung und der selbstorganisierten Ausbildung des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft kooperieren. Das komplette Curriculum wird in Form eines Leitfadens open source zur Verfügung stehen und will so vergleichbare Initiativen an anderen Orten stärken.