Raus ins Freie: Draußenschule Ladenburg

Pünktlich zum Schuljahresbeginn Mitte September war es so weit: Die neue Draußenschule im baden-württembergischen Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) konnte ihre ersten SchülerInnen begrüßen. Die Ganztagsgrundschule in freier Trägerschaft setzt auf abwechslungsreiches Lernen in und mit der Natur.

Die Initiative zur Gründung ging von der heutigen Schulleiterin Carolin Rückert aus. Sie griff das in Skandinavien weit verbreitete Konzept der „Udeskole“ (dt. Draußenschule) auf, bei dem neben Unterricht im Klassenzimmer möglichst täglich auch Unterrichtseinheiten draußen in der Natur stattfinden. Nach einer Ausbildung zur Waldpädagogin suchte Rückert Mitstreiter, um eine solche Schule auch in Ladenburg aufzubauen. Einen wichtigen Verbündeten fand sie in Martin Ziegler. Seine Überzeugung, dass gutes Lernen altersunabhängig von einer geeigneten, inspirierenden Lernumgebung abhängt, motivierte den pensionierten Seniorberater und IT-Projektleiter, Rückerts Projekt mit viel Know-How und großem Engagement zu unterstützen.

Bei der Einweihungsfeier Mitte September freuten sich zahlreiche Wegbegleiter über den Erfolg dieses Vorhabens. Vorangegangen waren rund drei Jahre Vorbereitungszeit. Erst Mitte 2020 hatte das Kultusministerium in Stuttgart grünes Licht gegeben und das Konzept genehmigt, das u. a. jahrgangsübergreifende und inklusive Lerngruppen sowie praxisbezogenes und selbstverantwortetes Lernen vorsieht. Der Ladenburger Gemeinderat stellte dafür ein idyllisch am Waldpark gelegenes Haus sowie eine benachbarte Scheune zur Verfügung. Nach der Kernsanierung wurden hier das Schulgebäude und eine Holzwerkstatt eingerichtet. Der Schulbetrieb startet zunächst mit 25 Kindern in einer altersgemischten Gruppe und soll später um eine zweite erweitert werden.

„Wir wollen Interesse wecken, das individuelle Potenzial jedes Kindes aktivieren und unsere SchülerInnen dahingehend bilden, dass sie für sich und mit anderen lernen“, beschreibt die Initiative ihr Anliegen auf der Schulwebsite. „Unser Ziel ist eine holistische Bildung, die den ganzen Menschen im Blick hat – nicht nur als animal rationale, sondern auch als fühlendes und soziales Wesen.“ Eine Besonderheit der Draußenschule stellt auch die Generationenwerkstatt dar, bei der nachmittags Eltern, Großeltern oder andere Personen aus dem Umfeld der Schule verschiedene Lernangebote machen: So können die Kinder im Garten mit anpacken oder Theater spielen, japanische Kampfkünste erlernen, unter Anleitung experimentieren und vieles mehr. Auf diese Weise möchte sich die Schule für außerschulische Partner öffnen und die Idee der Erziehung und Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe umsetzen.

Die Software AG – Stiftung (SAGST) hilft mit ihrer Förderung, die übliche dreijährige Wartefrist bis zum Einsetzen der staatlichen Finanzhilfe für freie Schulen zu überbrücken. „Wir sind froh, dieses innovative Projekt mit ermöglichen zu können, das mit seinem ganzheitlichen Ansatz die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler auf umfassende Weise fördert“, so SAGST-Projektleiter Dirk Randoll. „Hier wird eine andere Form des schulischen Lernens erprobt, die wichtige und heilsame Impulse für die Kinder, aber auch für das Umfeld der Schule gibt.“