Studium im eigenen Land: Neue Eurythmie-Ausbildung in Tschechien

Die weltweite Waldorfschul-Bewegung wächst dynamisch, auch und gerade in Osteuropa, wo seit den 1990er-Jahren mit großem Engagement neue Schulen gegründet wurden. Wie in Deutschland fehlen hier allerdings häufig die pädagogischen Fachkräfte – von ausgebildeten Eurythmie-LehrerInnen ganz zu schweigen.

Eine qualifizierte Fort- und Weiterbildung vor Ort hat gegenüber dem Besuch der Ausbildungsstätten in Deutschland oder der Schweiz gleich mehrere Vorteile: So entfallen nicht nur teure Auslandsaufenthalte und potenzielle Sprachbarrieren, auch kulturelle und sprachliche Eigenheiten des jeweiligen Landes können besser aufgegriffen werden. Eine Herausforderung besteht zum Beispiel darin, die Gesten der Eurythmie mit den jeweils typischen Lauten der Landessprachen in Einklang zu bringen.

Die Initiative „Eurythmea“ bietet nun in Prag und Brünn (Brno) erstmals eine grundständige Ausbildung für EurythmistInnen in Tschechien an. Viele tschechische Waldorfschulen müssen beim im Lehrplan eigentlich fest verankerten Eurythmie-Unterricht große Kompromisse machen – mancherorts kann er lediglich projektweise stattfinden, in einigen Fällen ist nicht einmal das möglich. Die neue Ausbildung soll helfen, diese Lücke zu schließen: Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit konnte im Januar 2021 das erste Studienjahr mit 18 Studierenden eröffnet werden.

Das Studium ist auf fünf Jahre angelegt und kann berufsbegleitend absolviert werden. Es wird vom Institut für Waldorfpädagogik in Witten/Annen in Deutschland mentoriert. Das Abschluss-Diplom wird von der Freien Hochschule am Goetheanum (Schweiz) anerkannt und eröffnet berufliche Perspektiven in Pädagogik, Therapie und Kunst. „Dieses Angebot ist ein wichtiger Schritt“, ist SAGST-Projektleiter Michael Anders überzeugt. „Es schafft einen Zugang für Interessenten, die in der Muttersprache studieren wollen und überwindet dadurch eine entscheidende Zugangshürde.“ Darüber hinaus ist eine jährliche Sommerakademie geplant, die sich an die SchülerInnen der tschechischen Waldorfschulen wendet und auch ihnen neue, künstlerische Erfahrungen ermöglicht.

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