Dorfprojekt Juchowo: Aus der Partnerschaft in die Selbständigkeit
Nach mehr als 20 Jahren beendet die Software AG – Stiftung (SAGST) ihre Rolle als Hauptförderin des Dorfprojekts Juchowo in Polen. Anlass ist der Wunsch der Stanislaw Karłowski-Stiftung, das Projekt künftig eigenständig weiterzuführen. Möglich macht dies ein mit Unterstützung der SAGST über Jahre hinweg aufgebautes Stiftungsvermögen.
Die Initiative für das Dorfprojekt geht auf den Demeter-Landwirt Dr. Manfred Klett (✝2025) und SAGST-Gründer Dr. h. c. Peter Schnell zurück. Anfang der 2000er-Jahre entwickelten sie die Vision, den maroden Großbetrieb aus der Vorwendezeit im Nordwesten Polens in einen modernen biodynamischen Landwirtschaftsbetrieb zu transformieren. Heute umfasst dieser mehr als 1.800 Hektar Nutzfläche. Dass diese Entwicklung gelungen ist, verdankt sich dem langjährigen Engagement vieler Beteiligter.
Internationales Leuchtturmprojekt
Inzwischen ist Juchowo ein lebendiger Hoforganismus mit vielfältigen Tätigkeits-, Bildungs- und Forschungsfeldern. Rund 100 Menschen leben und arbeiten hier – darunter Menschen mit Assistenzbedarf ebenso wie Mitarbeitende aus der Region und aus verschiedenen europäischen Ländern. Zu den Meilensteinen der letzten Jahre zählen Fortschritte in der Rinderzucht, der Aufbau sozialtherapeutischer Angebote sowie ein breites Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche, das ökologische Zusammenhänge anschaulich vermittelt. Die Gestaltung der Kulturlandschaft rund um den Hof gilt europaweit als beispielhaft für die Entwicklung klimaresilienter Agrarlandschaften.
Mit dem Rückzug der SAGST beginnt für das Projekt eine neue Phase. Als Förderstiftung bewegt sie sich stets im Spannungsfeld zwischen unterstützender Nähe und der Achtung von Eigenständigkeit. „Wir verstehen unsere Fördertätigkeit als ein lebendiges Atmen zwischen Verbindung und Loslassen“, sagt Vorstandsmitglied Peter Augustin. „Im Fall von Juchowo heißt das: Wir ziehen uns im Vertrauen auf die Verantwortlichen vor Ort bewusst zurück. Zugleich bleibt das Projekt ein prägender Teil unserer Stiftungsgeschichte – verbunden mit der Perspektive auf eine neue, freiere Form der Beziehung.“