Die von uns geförderten Projekte sind
unsere Fenster in die Welt.

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Ein anderer Blick auf Tiere: Buchpublikation zu Phänomenen des Lebendigen

Wenn wir Tiere betrachten, fällt uns schnell auf, dass jede Art einen ganz eigenen, typischen Charakter hat. Ein Faultier, das sich – wenn überhaupt – mit beeindruckender Langsamkeit bewegt, vermittelt ein ganz anderes Bild als ein Maulwurf, der unermüdlich grabend im Erdreich unterwegs ist. Und niemand käme auf die Idee, eine Giraffe mit ihrem hoch aufragenden Wuchs mit einem ebenfalls großen, aber doch ganz anders auftretenden Elefanten zu verwechseln. In seinem neuen Buch „Seeing the Animal Whole – And Why It Matters“ beschreibt der amerikanische Biologe Craig Holdrege auf umfassende Weise das Wesenstypische dieser und fünf weiterer Tiere.

Dabei beleuchtet er auch die größeren Zusammenhänge, in die man diese Beobachtungen stellen kann und entfaltet eine integrative Perspektive, die zu einem ganzheitlichen Verständnis der Phänomene des Lebendigen führt. Die sprichwörtliche Trägheit des Faultiers etwa zeigt sich nicht nur in seinen Bewegungen, sondern auch im Bereich der Verdauung sowie weiteren anatomischen und physiologischen Details. Doch seine scheinbar fehlende Aktivität und passive Natur erlaubt es ihm auch, eine ganze Reihe anderer Lebewesen in seinem Fell zu beherbergen, wie Holdrege ausführt, darunter Algen, Motten, Milben und mehr. „Es wird zu einem beständigen, sich gemächlich bewegenden und wimmelnden Mikrohabitat innerhalb des Regenwaldes“, heißt es in der Einleitung des Buches. „Das Faultier verschmilzt fast mit dem vegetativen Leben seiner Umgebung und bringt eine ‚ewig lächelnde‘, pflanzenartige Langsamkeit in seine Welt.“

„Wir freuen uns sehr über diese Publikation, die zu den Früchten unserer mehrjährigen Förderung des Nature Institute gehört, an dem Craig Holdrege tätig ist“, so SAGST-Projektleiter Cornelius Sträßer. „Das Buch vermittelt nicht nur anschaulich die Charakteristik der darin beschriebenen Tiere. Holdrege greift gleichzeitig auch höchst aktuelle Forschungsfragen der Systembiologie auf, die seit einiger Zeit das Phänomen der Eigenaktivität von Organismen diskutiert. Dieses als ‚Agency‘ bezeichnete Vermögen, an der Ausgestaltung der jeweiligen materiellen Voraussetzungen mitzuwirken, verweist auf den geistigen Wesenskern aller Lebewesen.“ Das im Osten des US-Bundestaats New York gelegene Nature Institute in Ghent arbeitet mit seinen Studien, Veröffentlichungen sowie verschiedenen Bildungsprogrammen an einem Paradigmenwechsel: Es geht darum, von den Prozessen der Natur zu lernen und diese Erkenntnisse in die Gestaltung einer nachhaltigen und gesunden Zukunft einfließen zu lassen. Diese mit Bezug auf die naturwissenschaftlichen Studien Johann Wolfgang von Goethes auch „goetheanistisch“ genannte Forschungsströmung vertritt eine kontextbezogene Sichtweise und stellt eine wichtige Ergänzung der vor allem auf quantitative Untersuchungen fixierten modernen Naturwissenschaft dar.