Inklusives Wohnen im Alter: Leuchtturmprojekt für die Wesermarsch
Was 1989 als Initiative einer Handvoll IdealistInnen begann, ist heute aus dem Burgdorf Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch/Niedersachsen) nicht mehr wegzudenken. Die Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle bietet nicht nur Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für erwachsene Menschen mit Einschränkungen. Mit zahlreichen Betrieben wie dem Dorfladen oder einem Hausmeister-Service sichert sie auch die Versorgung vor Ort – gerade für ältere und weniger mobile Menschen ein großer Gewinn.
Mitten im Dorf, ein paar Schritte hinter den Werkstätten, ragt ein Baukran in den Himmel. Hier entsteht das jüngste Projekt der Gemeinschaft: inklusives Wohnen im Alter. „Ursprünglich wollten wir nur für uns bauen“, erläutert Ilka Morr, Geschäftsführerin der Stiftung. „Doch auch im Dorf gibt es natürlich viele ältere Menschen, die gerne in ihrer vertrauten Umgebung bleiben möchten.“ Gemeinsam mit kommunalen Akteuren wurde das Konzept eines Hauses entwickelt, in dem Menschen mit und ohne Assistenzbedarf unter einem Dach wohnen und selbst entscheiden können, wie viel Gemeinschaft sie suchen – ein Pilotprojekt, für das es kaum Vorbilder gibt. „Unsere Gesellschaft braucht dringend gute Modelle dafür, wie wir inklusives Miteinander auch im Alter sinnvoll gestalten können“, ist SAGST-Projektleiter Lars Matschke überzeugt. „Nachdem wir schon in früheren Jahren ausgewählte Vorhaben wie die Soziale Landwirtschaft gefördert haben, freuen wir uns sehr, diesen zukunftsweisenden Neubau der Ovelgönner Mühle zu unterstützen.“
Gemeinsam alt werden
Im Erdgeschoss sind acht barrierefreie Apartments für BewohnerInnen der Lebensgemeinschaft vorgesehen, im ersten und zweiten Stock errichtet die Wohnungsbaugesellschaft Wesermarsch (WBW) weitere Wohnungen. Ebenerdig ist zudem eine inklusive Kindertagespflege der Gemeinde geplant sowie ein großzügiger Begegnungsraum, der allen Interessierten offenstehen soll – sämtlichen HausbewohnerInnen ebenso wie örtlichen Vereinen, vom generationsübergreifenden Frühstück bis zu Yogakursen.
Für WBW-Geschäftsführerin Regina Neuke liegt in dieser Vielseitigkeit die besondere Qualität des Projekts. „Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft aller Beteiligten, ungewöhnliche Verhaltensweisen zu akzeptieren und in gegenseitiger Rücksichtnahme und Toleranz zusammenzuleben“, betont sie. Hinzu kommen die außergewöhnlich guten Versorgungsstrukturen: „Angebote wie der Mittagstisch im Hotel oder der Lebensmittelladen mit Lieferservice sind für ein Dorf dieser Größe etwas Besonderes“, so ihre Erfahrung