Zwischen WhatsApp und Wertebildung: Medienpädagogik in Waldorfkindergärten stärken
Digitale Medien sind längst Teil des Familien- und Kita-Alltags – oft unausgesprochen, manchmal unreflektiert. Das neue Projekt „Medienmündig werden“ der Vereinigung der Waldorfkindergärten gibt mit fundierten Materialien und praxisnahen Impulsfragen wertvolle Anregungen für einen bewussten Umgang mit Medien in der frühkindlichen Pädagogik.
Während es bis vor einigen Jahren noch als fortschrittlich galt, mehr und mehr Bildschirmmedien in Schulen und sogar Kitas zu etablieren, gewinnt heute der reflektierte Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen an Bedeutung. Anstelle einseitiger Verteufelung ist eine kritisch-balancierte Haltung gefragt: Wie gelingt es, Eltern und Fachkräfte darin zu befähigen, Kinder angemessen zu begleiten – um sie vor schädlichen Einflüssen zu bewahren und sie zugleich langfristig fit für das medial geprägte Zeitalter zu machen??
Genau hier setzt das neue Projekt „Medienmündig werden – Handlungsfelder und Impulsfragen für Waldorf-KiTas“ der Vereinigung der Waldorfkindergärten an. Ziel ist es, den Mitgliedseinrichtungen fundiert und praxisnah bei der individuellen Entwicklung professioneller und pädagogisch tragfähiger Medienkonzepte unter die Arme zu greifen. Diese umfasst mehrere Ebenen: das bewusste Wahrnehmen der aktuell gelebten Praxis, die Stärkung der Kinder zur Vorbeugung digitaler Risiken sowie die wertschätzende Kommunikation im Team und mit den Eltern.
In Kooperation mit Medienpädagogin Prof. Dr. Paula Bleckmann von der Alanus Hochschule in Alfter wurden dazu umfangreiche Materialien erarbeitet, die auf dem von ihr etablierten Konzept der Medienmüdigkeit aufbauen. „Dies eröffnet den Waldorfkindertageseinrichtungen die große Chance, mit fachlicher Unterstützung jeweils passgenaue Lösungen zu finden“, betont SAGST-Projektverantwortliche Elke Rahmann. „Auf diese Weise wird ihnen kein fertiges Konzept übergestülpt, sondern ein wertvoller Bewusstseinsprozess angeregt, in den die ErzieherInnen eigene Erfahrungen, Kompetenzen und Ressourcen einbringen können.“
Kernstück des Projekts ist eine umfangreiche Sammlung von rund 80 Impulsfragen auf Karteikarten, die in sechs zentrale Handlungsfelder gegliedert sind – von der medienbezogenen Elternarbeit über die Förderung der kindlichen Resilienz bis zur Teamreflexion. Ergänzt werden diese durch ein Heft mit Einführungstexten und Hintergrundwissen. Damit das Material seinen Weg in die Kindergärten findet, treffen sich Anfang Februar 2026 die Fachberater:innen der Vereinigung zu einem Fortbildungswochenende. Im Anschluss werden sie die Kita-Teams bundesweit bei der Umsetzung von „Medienmündig werden“ begleiten – ob in Inhouse-Seminaren, Fachtagen oder Regionaltagungen. Dank der Zuwendung der SAGST erhält jede Waldorf-Kindertageseinrichtung ein Exemplar des Materials, wenn sich das Kollegium in einem der angebotenen Formate fortbildet.